FC Bayern: Die rote Bestie ist erlegt

Während man nach dem Weiterkommen gegen Real noch von der Rückkehr der "roten Bestie" bloggen konnte, bleibt einem nach dem gestrigen Ausscheiden der Bayern gegen Milan nichts anderes übrig, als in den Klage- und Hämechor des CL-Pressespiegels einzustimmen:
(The Guardian)
"Auf Grund Bayerns Mittelmäßigkeit ist es schwer sich ein Urteil zu bilden..."
"Bayern hat Beckenbauer, Rummenigge und Hoeneß hinter dem Schreibtisch, aber keinen Spieler ihrer Qualität auf dem Platz. Das ist eine hartnäckige Mannschaft ohne Stars."(La Stampa)
"Hitzfeld fehlte das Glück des Hinspiels. Es ist ein Wunder, dass die Mannschaft mit diesem technischen Niveau überhaupt ins Viertelfinale gekommen ist."(Corriere dello Sport)
"Der Club stagniert seit Jahren international ... Eine zögerliche Einkaufspolitik mit Verweis auf ein prall gefülltes Festgeldkonto verhindert seit Jahren, dass sich der FC Bayern vielleicht - abgesehen von Makaay - mal einen oder zwei Spieler auf dem beinhart umkämpften Transfermarkt beschafft, die im Zweifelsfall den Unterschied ausmachen."(spiegel.de)
Wo der Spiegel Recht hat, hat er Recht: Auch wenn Uli Hoeneß die laufende Saison von vornherein als "Jahr des Übergangs" titulierte, ist insbesondere der Blick in die Zukunft des Rekordmeisters mehr als ernüchternd: Mit Neuzugängen wie Altintop oder Schlaudraff (dem wahrscheinlich das gleiche Schicksal des bei den Bayern gescheiterten Talents blüht wie vor Urzeiten mal einem Sternkopf oder aktuell Podolski) wird man auch 2007/8 international nicht viel reißen können.
Sicher - dass mit Hargreaves und Deisler gleich zwei designierte Ballack-Ersetzer wegfallen würden, konnte man am Anfang der Saison nicht ahnen. Doch ein Ideen- und Impulsgeber, Mittelfeldmotor und Spiel-Herumreißer - wie einst von Effenberg oder Matthäus verkörpert - wäre wohl aus keinem der beiden geworden, und auch van Bommels Leithammel-Phase scheint ebenfalls schon wieder passé.
Also: Quo vadis, FC Bayern? Man sollte die Dinge trotz allem nicht ganz so schwarz sehen, wie sie im Moment scheinen: Vielleicht wird sich die 0:2-Niederlage von gestern im Nachhinein als heilsamer Schock erweisen, als der Moment, in dem auch dem letzten Festgeld-Fanatiker bewusst wurde, dass mit Sparsamkeit und - das sollte man bei aller Kritik an den Bayern nicht vergessen - guter Nachwuchsarbeit international leider kein Blumentopf zu gewinnen ist. Und vielleicht kommt das Münchener Publikum nächste Saison zwar nicht in den Genuss von Champions-League-Spielen, darf dann aber trotzdem ein, zwei richtigen Weltstars beim Kicken zugucken - und zwar in den Reihen des FC Bayern selbst.



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